Ulrich Beck über Fukushima, Restrisiko und Verglühen des Sicherheitsmythos

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Im Focus 13/2011 schreibt der Münchner Soziologie Ulrich Beck über die Katastrophe im AKW Fukushima, das Verglühen des Sicherheitsmythos und schließt mit seinen Ausführungen an sein Buch “Risikogesellschaft” von 1986 an, welches nach Tschernobyl erschienen ist. In einer Weltrisikogesellschaft seien Risiken nicht mehr national, nicht mehr versicherbar und Haftung nicht mehr zurechenbar. Regelsysteme der nationalen Kontrolle verhielten sich wie eine Fahrradbremse zum Interkontinentalflugzeug. Von Naturkatastrophen könne man jedoch nur im Bezugshorizont menschlicher Zivilisation sprechen, Natur kenne nur Veränderungsprozesse.

Seit dem 18.Jahrhundert gäbe es den Mythos und Siegeszug des versicherten Lebens, der mit Fukushima verglüht sei. Beck stellt darüber hinaus auch ein Rechtsystem in Frage, das Kleinstgefahren präzise regele, aber eine Großgefahr als theoretisches Restrisiko legalisiere und zumute. Wer definiere denn Restrisiko? Beck wandelt die bekannte Frage von Marx ab: Wer kontrolliere denn die Kontrolleure der Kernindustrie?

Für Ulrich Beck ist es nicht nur eine Krise der Kernindustrie, sondern eine Krise der Verantwortlichkeit, in der das Primat der legitimierten Politik zurückgewonnen werden müsse.

EDIT:
In der TAZ vom 01.April wird Ulrich Beck zu diesem Thema interviewt. Beck sitzt übrigens in der von der Bundeskanzlerin neu einberufenenen “Ethik-Kommission für sichere Kernenergie” (Dank an Uwe Marquardt für den Hinweis)

 

 

 

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