Buch von Miriam Meckel “Mein Kopf gehört mir: Eine Reise durch die schöne neue Welt des Brainhacking”

Durch die CoverStory in der aktuellen Wirtschaftswoche zum Neuro Kapitalismus, den die Chef Redakteurin Miriam Meckel verfasst hat, bin ich auf das von ihr diese Woche veröffentlichte Buch “Mein Kopf gehört mir: Eine Reise durch die schöne neue Welt des Brainhacking” gestoßen, welches ich mir sofort auf den Kindle geladen habe. Ich schreibe diesen Blogpost während des Lesens und halte somit pro Kapitel die für mich interessantesten Aspekte fest und ist somit keine typische Rezension.

Station 1: Das Gehirn: Aufbruch in ein bekanntes und unbekanntes Terrain
Miriam Meckel führt einen Streifzug durch diverse Möglichkeiten, die in den letzten Jahrzehnten unternommen wurden, um das Gehirn zu optimieren. Wenn man das Gehirn jedoch wie einen PC ansehe, den man tunen und mit Speicher aufstocken könnte, und zur gleichen Zeit Computer – und vor allem Sprachassistentinnen, Bots und Algorithmen  immer menschlicher werden sollen, sei man nicht auf einem großen Irrweg?

Station 2: in der Dunkelkammer
Sehr präzise phänomenologische Beschreibung (inklusive Halluzionationen) ihrer 24 Stunden im Schlaflabor einer Schweizer Universität unter kompletter Dunkelheit und sozialer Isolation, auch offline. Ich hatte so ein Dunkelexperiment auch immer einmal vor, es aber nie konkretisiert.

Station 3: Die Vermessung des Gehirns
Meckel erzählt von ihrem ersten Fernsehbericht in 1990 über die Untersuchungen am Gehirn Lenins und zeigt dann weitere illustre Beispiele auf, wie mit falschen Annahmen und Messmethoden Forschung betrieben würde. Eindrucksvolles Beispiel, wie toter Fisch  Magnetresonanztomographie unterzogen wurde, so dass es aussehe, als hätte er noch Gehirnaktivität, obwohl Veränderungen im Blutflluss zu messen wären. Andere Beispiele berichten von Hand-und Armimplantaten, die nicht nur endlich wieder Greifen, sondern auch Fühlen ermöglichen. Das Kommunikationsexperiment mit Ratten, die über Kontinente verteilt sind, und über das Intranet Lernerfahrungen austauschen, kannte ich von einem ihrer Vorträge und hat mich beeindruckt. Neuronale Vernetzungen übers Internet könnten den Hegelschen Begriff des Weltgeistes neu definieren.

Station 4: neue Frontier-Bewegung
Die Neuroenhancer-und Biohacker Bewegung möchte keine Territorien erweitern, sondern Glücksempfindungen und Leistungsfähigkeit. Das Mantra von Timothy Leary “Turn on, tune in, drop out” würde auf den Kopf gestellt, obwohl Affinität zu 68er Drogen hoch sei. Im Neurokapitalismus sei klar, dass die Performance des Gehirns der wichtigste Überlebens-und Erfolgsfaktor sein, da Roboter und Maschinen materielle Arbeiten erledigen könnte. Meckel zeigt auf, was Marx & Engels mit dieser Vision zu tun haben.

Station 5: Selbstoptimierung
Self Tracking als Vorstufe zum Brain Hacking, aus Weight Watchern würden die neuen Kontroll Freaks, die Self Watcher. Miriam Meckel ist aber nicht nur kritisch und zeitweise auch warnend, nein, sie testet Gadgets auch aus: Sie besucht das HQ von Thync und lässt sich leichte Stromstöße an ihr Gehirn senden.

Station 6: 24/7 Welt
Konsequenzen einer leistungsorientierten Welt, die auf chronischen Schlafmagel ausgelegt ist, werden ausführlich beschrieben.

Station 7: Neuro Enhancer Pillen
Früher und heutige Einsatzgebiete von Ritalin und Modafilin zeigt sie auf und warnt – jedoch nicht ohne einen Selbstversuch zu schildern. Die Warnung bezieht sich wieder auf die neu enstehende gnadenlose, unromantische Leistungskultur, die in eine Sackgasse laufe.

Station 8: Siris Verwandtschaft – von der Spracherkennung zum Gedankenlesen
Meckel überlegt, wie sich idealerweise und schneller Gedanken verbreiten könnte, ohne dass eine (De)Codierung und Transformation in Symbole und Sprache notwendig sei. Man wrte noch auf Lösungen von Facebook, den Mark Zuckerberg hat vor einem Jahr auf der F8 Entwickler Konferenz erwähnt, dass bald 100 Zeichen pro Minuten mit Gedanken allein geschrieben werden könnte. Zur Zeit seien es nur 8/Minute, Meckel schrieb in einem eigenen Versuch das Wort “Interface”.

Station 9: Brain Hacking
kurzweiliger und selektiver Abriss über Meilensteine der Gehirn Implantate und Cyborgs

Station 10: Mensch-Maschine-Merger: wer übernimmt hier wen?
Ab welchem Punkt werde das Ursache-Wirkungsprinzip umgedreht, das Software zur Problemlösung einsetze? Bald könne der Punkt kommen, wo Software selbst das Ziel definiere und eleminieren kann, was im Wege stehe. Elon Musk sieht im zwischenstaatlichen Kampf um AI (Künstliche Intelligenz)-Vorherrschaft einen sehr wahrscheinlichen Grund für einen Dritten Weltkrieg.

Station 11: Nachtzug ins Gestern – Manipulation unserer Erinnerung
Memory Hacking wird umfangreich thematisiert und photogenetische Manipulation an Mäusen dient als Beispiel,  ihre Libido und Agilität wurde nach Depressionen erhöht und Erinnerungen geweckt.

Station 12: Die Gedanken sind frei – Mentale Selbstbestimmung als Menschenrecht
Von Mäusen zu Katzen: Meckel erzählt von einer Urlaubskatze, die RFID Chip trägt und fragt, unter welchen Umständen bestimmte Menschen-und Gruppen digital kontrolliert werden. Ein Hirnprekarariat könne nicht nur dort, sondern auch entstehen, wenn Zugang zu mentalen Leistungsoptimierern nicht vorhanden sei.

Station 13: Lost in Transformation
Sehr dichtes Kapitel mit einem eindrucksvollen Streifzug durch aktuelle Bewusstseinsforschungen und Thematisierung des Leib-Seele-Dualismus. Abgerundet durch eine Vision der neuronal vernetzten Menschheit mit selbstbestimmten Datenschutz.

>>> Ich hoffe, Ihr werdet das Buch mit ebenso großem Interesse und Erkenntnisgewinn wie ich lesen! Persönlicher und praxisnaher habe ich dieses ambivalente Zukunftsthema noch nicht gelesen.

 

 

 

 

 

 

 

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